Tusi: Die rosafarbene Partydroge, die oft gar kein 2C-B enthält

Abstrakte rosafarbene Landschaft als Symbolbild für Tusi (Pink Cocaine) und die Risiken unbekannter Partydrogen.

Wer in den vergangenen Monaten Berichte über Partydrogen verfolgt hat, ist wahrscheinlich auf den Begriff „Tusi“ oder „Pink Cocaine“ gestoßen. Der Name klingt harmlos und suggeriert eine besondere Variante von 2C-B – einer psychoaktiven Substanz aus der Gruppe der Phenethylamine. Tatsächlich ist das jedoch oft ein gefährlicher Irrtum.

Denn die meisten Pulver oder Tabletten, die heute als „Tusi“ verkauft werden, enthalten gar kein 2C-B.

Was steckt hinter Tusi?

2C-B wurde in den 1970er-Jahren vom amerikanischen Chemiker Alexander Shulgin entwickelt und gehört zu den psychedelischen Substanzen. Je nach Dosierung berichten Konsumierende von intensiveren Sinneseindrücken, gesteigerter Empathie, Euphorie und veränderter Wahrnehmung. Gleichzeitig können Angst, Orientierungslosigkeit oder Kreislaufprobleme auftreten. In Deutschland fällt 2C-B unter das Betäubungsmittelgesetz und ist illegal.

Tusi dagegen ist keine definierte Substanz, sondern meist eine Mischung unterschiedlicher Drogen. Analysen aus Europa und Lateinamerika zeigen, dass die Zusammensetzung stark schwankt. Häufig finden sich Ketamin, MDMA, Koffein, Kokain, synthetische Cathinone oder Benzodiazepine. Manche Proben enthalten sogar mehrere dieser Wirkstoffe gleichzeitig – oft ohne dass Konsumierende wissen, was sie tatsächlich einnehmen.

Das größte Risiko ist die Ungewissheit

Genau darin liegt die Gefahr. Während sich Wirkungen und Dosierungen bei einer bekannten Substanz zumindest grob einschätzen lassen, gleicht Tusi einer Wundertüte. Farbe, Geruch oder Konsistenz verraten nichts über den Inhalt. Zwei äußerlich identische Portionen können völlig unterschiedliche Wirkstoffe enthalten und entsprechend ganz verschiedene körperliche Reaktionen auslösen.

Besonders problematisch wird es, wenn Tusi gemeinsam mit Alkohol oder weiteren Drogen konsumiert wird. Wechselwirkungen können unvorhersehbar sein und das Risiko für Überdosierungen oder medizinische Notfälle deutlich erhöhen.

Warum wird Tusi immer beliebter?

Die auffällige rosa Farbe, soziale Medien und die Vermarktung als exklusive Partydroge haben wesentlich zur Verbreitung beigetragen. Vor allem in einigen Großstädten und in der Clubszene taucht Tusi immer häufiger auf. Der Name vermittelt den Eindruck eines klar definierten Produkts – tatsächlich handelt es sich jedoch oft um improvisierte Mischungen ohne jede Qualitätskontrolle.

Fachleute beobachten diese Entwicklung mit Sorge. Denn klassische Präventionsbotschaften greifen hier nur bedingt. Wer glaubt, eine bestimmte Substanz zu konsumieren, nimmt möglicherweise ein Gemisch mit völlig anderen Risiken ein.

Was viele bei Tusi verwechseln

Der Begriff Pink Cocaine sorgt weltweit immer wieder für Missverständnisse. Viele gehen davon aus, dass es sich dabei um 2C-B handelt oder dass die rosafarbene Mischung Kokain enthält. Tatsächlich trifft beides häufig nicht zu. Tusi ist in den meisten Fällen keine klar definierte Substanz, sondern eine Mischung verschiedener psychoaktiver Wirkstoffe. Welche Stoffe tatsächlich enthalten sind, lässt sich ohne Laboranalyse kaum feststellen. Genau diese Unberechenbarkeit macht Tusi so riskant und unterstreicht, warum Drug Checking, Aufklärung und Safer Use heute wichtiger sind denn je.

Wissen schützt

Wer sich für das Thema interessiert oder selbst konsumiert, sollte sich möglichst gut informieren und Angebote der Drug-Checking- und Drogenberatung nutzen, wo diese verfügbar sind. Sie können helfen, Risiken besser einzuschätzen und gesundheitliche Schäden zu vermeiden.

Eines sollte man sich jedoch bewusst machen: Tusi ist kein Markenprodukt und keine klar definierte Droge. Hinter dem Namen können sich sehr unterschiedliche Mischungen verbergen – und genau diese Unberechenbarkeit macht den Konsum so riskant.

Kurz erklärt: 2C-B oder Tusi?

2C-B
  • Definierte psychoaktive Substanz (Phenethylamin)
  • Bereits in den 1970er-Jahren entwickelt
  • Wirkung je nach Dosierung überwiegend psychedelisch und stimulierend
  • Die Wirkungen sind grundsätzlich bekannt und wissenschaftlich beschrieben
  • In Deutschland illegal
Tusi (Pink Cocaine)
  • Keine klar definierte Droge
  • Meist eine Mischung verschiedener Substanzen
  • Häufig enthalten: Ketamin, MDMA, Koffein, Kokain, synthetische Cathinone oder Benzodiazepine
  • Zusammensetzung und Dosierung sind unvorhersehbar
  • Besonders riskant, weil Konsumierende oft nicht wissen, was sie tatsächlich einnehmen

Merke: Tusi ist meist kein 2C-B. Der Name führt häufig in die Irre.

Weiterführende Quellen:

  1. European Union Drugs Agency (EUDA)
  2. Deutsche Aidshilfe
  3. Drug Checking Berlin

Bildnachweis: @Tom Macret auf Unsplash

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