Hepatitis C: Eine stille Infektion
Hepatitis C ist eine Viruserkrankung der Leber, die weltweit zu den häufigsten Infektionen zählt. Übertragen wird das Virus in erster Linie über Blut – oft unbemerkt. Das Tückische: Die Infektion verläuft anfangs meist ohne Symptome. Viele Betroffene wissen lange nicht, dass sie infiziert sind – und können das Virus unwissentlich weitergeben.
Unbehandelt kann Hepatitis C jedoch schwerwiegende Folgen haben: chronische Entzündungen, Leberzirrhose und im schlimmsten Fall Leberkrebs.
Akut oder chronisch?
Nicht jede Infektion bleibt bestehen. Bei etwa 15 bis 40 Prozent der Betroffenen heilt die Erkrankung spontan aus.
Besteht die Infektion jedoch länger als sechs Monate, spricht man von einer chronischen Hepatitis C. Diese verläuft oft unspezifisch: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, diffuse Oberbauchbeschwerden oder Juckreiz sind mögliche Hinweise.
Gerade weil die Symptome so unauffällig sind, bleibt die Erkrankung häufig lange unerkannt.
Wenn die Leber Schaden nimmt
Bei einer chronischen Infektion werden nach und nach Leberzellen zerstört und durch Bindegewebe ersetzt. Die Leber verliert an Funktion, schrumpft und verhärtet – eine Leberzirrhose entsteht. Zusätzliche Risikofaktoren wie Alkoholkonsum oder eine HIV-Koinfektion beschleunigen diesen Prozess deutlich.
Bei einem Teil der Betroffenen kann sich im weiteren Verlauf ein Leberzellkarzinom entwickeln. Die Prognose ist dann stark vom Zeitpunkt der Diagnose und der Therapie abhängig.
„Die Überlebenszeit nach der Erstdiagnose eines Leberzellkarzinoms liegt meist nur im Bereich von Monaten bis wenigen Jahren.“
(Quelle: Robert Koch-Institut)
Moderne Therapie: Heilung ist heute möglich
Lange Zeit war die Behandlung von Hepatitis C belastend und oft wenig erfolgreich. Das hat sich grundlegend verändert. Mit sogenannten direkt wirkenden antiviralen Medikamenten (DAA) steht heute eine Therapie zur Verfügung, die in Tablettenform eingenommen wird und sehr gut verträglich ist.
Die Heilungschancen liegen inzwischen bei über 95 Prozent – und das für nahezu alle Patientengruppen. Selbst bei fortgeschrittener Lebererkrankung sind erfolgreiche Behandlungen möglich.
Wechselwirkungen beachten
Gerade bei komplexeren Therapien, etwa bei einer zusätzlichen HIV-Infektion, müssen mögliche Wechselwirkungen zwischen Medikamenten berücksichtigt werden.
Hier spielt die ärztliche Begleitung ebenso eine Rolle wie die Beratung in der Apotheke. Eine sogenannte Medikationsanalyse kann helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden.
Übertragung: Nicht nur ein medizinisches Thema
Hepatitis C wird in erster Linie über Blut übertragen. Das kann bei medizinischen Eingriffen, aber auch im Alltag oder beim Sex eine Rolle spielen. Besonders relevant ist das Risiko bei verletzungsträchtigen Sexualpraktiken oder wenn Schutzmaßnahmen wie Kondome oder Handschuhe nicht konsequent gewechselt werden.
Wichtig ist dabei: Eine Person kann das Virus weitergeben, ohne selbst infiziert zu sein – etwa durch indirekte Übertragung über kontaminierte Gegenstände.
Tattoos, Rasierer, Alltag
Auch unsachgemäß durchgeführte Tätowierungen oder Piercings können ein Risiko darstellen, wenn Hygienestandards nicht eingehalten werden.
Ob Alltagsgegenstände wie Rasierer oder Zahnbürsten zur Übertragung beitragen können, ist nicht eindeutig geklärt – Vorsicht ist jedoch sinnvoll.
Früherkennung: Ein unterschätztes Angebot
Seit 2020 haben gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren Anspruch auf ein einmaliges Screening auf Hepatitis B und C im Rahmen des „Check-up 35+“. Ziel ist es, stille Infektionen frühzeitig zu erkennen und schwere Spätfolgen zu verhindern.
Ein Blick zurück
In den 1970er und 1980er Jahren wurden in Deutschland tausende Menschen durch kontaminierte Blutprodukte infiziert. Besonders betroffen waren Menschen mit Blutgerinnungsstörungen, die auf Transfusionen angewiesen waren.
Heute gelten Blutspenden durch umfassende Testverfahren als sicher. Eine Übertragung über diesen Weg ist inzwischen extrem selten geworden.
Hepatitis C ist eine oft unterschätzte Erkrankung – gerade weil sie lange unbemerkt bleibt. Die gute Nachricht: Noch nie waren die Behandlungsmöglichkeiten so effektiv wie heute. Entscheidend ist, dass die Infektion erkannt wird.
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