Bewegung statt Beschwerden: Physio mit Plan
Physiotherapeut Oliver Hornbogen behandelt nicht nur Symptome – er stärkt das Körperbewusstsein seiner Patient*innen. Im CHECK-Interview erklärt er, wie Prävention funktioniert, warum Ergonomie so wichtig ist und was Selbsthilfe wirklich bedeutet.

Hallo, Oli, was umfasst deine Arbeit als Physiotherapeut?
Meine Arbeit ist sehr vielseitig – besonders, weil ich selbstständig bin. Als Physiotherapeut beginne ich jede Behandlung mit einer gründlichen Befundaufnahme, um einen passenden Behandlungsplan zu erstellen. Dieser Plan bleibt flexibel und wird bei Bedarf angepasst, da ich bei jeder Sitzung prüfe, ob sich der Zustand meiner Patient*innen verändert hat. Grundsätzlich teilt sich meine Therapie in aktive und passive Maßnahmen. Der Fokus liegt meist auf aktiven Übungen, da sie den langfristig größten Effekt haben. Nach jeder Behandlung dokumentiere ich den Verlauf sorgfältig – zur Qualitätssicherung und damit ich jederzeit gezielt weiterarbeiten kann. So kann ich meine Patient*innen effektiv begleiten und ihnen den Weg zur Selbsthilfe zeigen.
Warum kommen die meisten Patient*innen zu dir?
Das ist ganz unterschiedlich. In meiner Laufbahn habe ich bereits viele verschiedene Krankheitsbilder behandelt – jede Begegnung war lehrreich. Aktuell betreue ich häufig Menschen nach Mastektomien (Brustentfernungen), mit Kieferbeschwerden oder Beckenbodenproblemen. Aber auch klassische Rückenverspannungen, chronische Erkrankungen oder Verletzungen wie Frakturen gehören zum Alltag. Dank meiner über zehnjährigen Berufserfahrung kann ich viele Beschwerden sicher und gezielt behandeln.
Die meisten Patient*innen kommen zu dir, wenn der Schmerz oder die Unbeweglichkeit schon da ist. Ist es ratsam, vorher zu dir zu kommen?
Auf jeden Fall. Präventive Physiotherapie hilft, den eigenen Körper besser kennenzulernen und das Körpergefühl zu schärfen – etwas, das viele im Alltag vernachlässigen. Oft kommen Menschen erst, wenn Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen schon da sind. Dann hat der Körper bereits auf Überlastung reagiert. In der Physio lernst du, frühzeitig auf Warnsignale zu achten – und wie du selbst darauf reagieren kannst.
Was ist Ergonomie am Arbeitsplatz und wie wichtig ist sie?
Der Begriff „Ergonomie“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß „Arbeitsregelung“. In der modernen Arbeitswelt geht es dabei um die optimale Anpassung des Menschen an seine Arbeitsbedingungen. Gerade heute, da viele Menschen sich überlasten, ist Ergonomie essenziell. Sie erleichtert den Alltag und beugt Überbeanspruchung vor – durch wechselnde Positionen und geeignete Hilfsmittel wie ergonomische Tastaturen, höhenverstellbare Schreibtische, Tragehilfen oder spezielle Sitzsysteme. Für jede Berufsgruppe gibt es ergonomische Lösungen – sie werden nur leider oft zu wenig genutzt.
Gibt es Übungen, die man selbst zu Hause oder am Arbeitsplatz machen kann?
Natürlich – es gibt viele Übungen, die sich gut in den Alltag integrieren lassen. Besonders hilfreich sind solche, die sich einfach umsetzen lassen, ohne zusätzlichen Zeitaufwand. Wer z. B. einen Bürojob hat, sollte regelmäßig Bewegungspausen einbauen, statt stundenlang in derselben Position zu sitzen. Wer körperlich arbeitet, profitiert von aktiven Ausgleichsbewegungen, also solchen, die sich von der gewohnten Arbeitshaltung unterscheiden. Pauschale Empfehlungen sind schwierig, weil die besten Übungen immer individuell auf den Beruf und die Person abgestimmt sein sollten. Aber eines gilt für alle: Regelmäßige Bewegung ist essenziell. Unser Körper ist dafür gemacht – es gibt keine „falschen“ Bewegungen.
Bildnachweis: @Ivan Garros auf Unsplash
