Was steckt in Pflegeprodukten?
Da unsere Haut aufnahmefähig ist, dürfen nur arzneilich verordnete Wirkstoffe über sie ins Blut gelangen, also medizinische Salben, Hormoncremes, Schmerzpflaster etc. ABER: Ein Cocktail aus verschiedenen Basis-, Wirk- und Hilfsstoffen kann unsere Haut aber auch reizen und Allergien auslösen.
Kannst du es nicht essen, gehört es auch nicht aufs Gesicht!
Wir wollen keine Konservierungsstoffe in unseren Lebensmitteln, tragen sie jedoch unbewusst immer wieder mit Pflegeprodukten auf – ebenso künstliche Farb- und Duftstoffe und andere Hilfsmittel.
Damit der Verbraucher weiß, was in seinem kosmetischen Mittel steckt, wurde (erst) 1997 die Angabe der kosmetischen Inhaltsstoffe nach dem INCI-System in der EU gesetzlich vorgeschrieben. Aber schon lange vorher hatten Naturkosmetik-Unternehmen ihre Inhaltsstoffe sogar mit deutscher Bezeichnung aufgelistet.
Auf dem Label …
INCI bezeichnet die Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe. Zwar werden hier Mengenanteile nicht zwingend benannt, die Bestandteile aber in gewichtsmäßig abnehmender Reihenfolge bis zu einer Konzentration von 1 % aufgeführt.
Die CI-Nummer steht für Colour-Index-Nummer. Als „Parfum“, „Fragrance“ oder „Aroma“ werden die Riech- und Aromastoffe bzw. deren Ausgangsstoffe zusammengefasst deklariert, wenn mehr als 10 ppm enthalten sind. An Position eins befindet sich meist Wasser (Aqua), damit aus dem anteiligen Fett (meist mit Hilfe eines Emulgators) eine Creme oder Lotion entstehen kann.
Preiswert und verfügbar: Mineralöle
Als Fette werden überwiegend preiswerte Erdölprodukte wie Paraffin und Vaseline eingesetzt. Im Verlauf von Millionen von Jahren entstehen diese unter Ausschluss von Sauerstoff durch abgelagerte Biomasse wie etwa Algen und Plankton. Rohöl wird über Fördertürme aus tiefen Gesteinsschichten abgebaut und im Raffinationsturm durch Röhrenöfen bei ca. 400 °C als Schmieröl und Paraffin fraktioniert. Bei Temperaturen um ca. 200 °C gewinnt man zudem Heizöl, Diesel, Petroleum und die Leichtbenzine, bei ca. 20 °C das Flüssiggas.
Gereinigte Paraffine werden benötigt, um Wirkstoffe in die Haut einzuschleusen, wobei das Produkt nur auf die entsprechende Hautstelle und nur für einen kurzen Zeitraum aufgetragen werden sollte. Vaseline bildet zwar einen Schutzfilm vor Kälte und Nässe, verhindert aber, dass die Haut „atmen“ kann, wie z.B. eine Plastikfolie, die ja auch aus Mineralöl hergestellt wird. Sie behindert auch den Wasseraustritt, was zu Pickeln und Rötungen führen kann. Bei langen Aufenthalten in der Kälte kann sie im Gesicht verwendet werden, auch auf Lippen und Händen, sollte aber danach abgewaschen werden.
Plastic Fantastic: Silikone
Seit einigen Jahrzehnten werden auch Silikonöle („Dimethicone“ oder Worte mit der Endung ..cone oder ..xane) eingesetzt. Das sind halb organische, halb anorganische Kunststoffverbindungen aus Silizium, Sauerstoff, Kohlenstoff und Wasserstoff. Zu den ersten Kosmetikprodukten mit Silikon gehörten die Haarspitzen-Fluids, die gesplisste Haare wieder kitten sollen. Woher das Silikon weiß, ob es ein aufgesplisstes Haar oder zwei dünne Strähnen zusammenbringt, ist mir bis heute schleierhaft. Das angeraute Haar wird jedenfalls mit einem „Kunststoffüberzug“ versehen, der es so zum Glänzen bringt. Ähnlich ist es bei Pflegecremes, die Fältchen aufpolstern und so die Haut glatter machen, aber keine Pflegewirkung haben.
Wasserlösliche Silikone gibt es übrigens nicht. Sie lösen sich nicht in Wasser auf und zählen zu den biologisch schwer abbaubaren Kunststoffverbindungen.
Viva Vegan: Pflanzenfette
Die natürlichen Alternativen aus Samen und Früchten oder Wachse wie Sheabutter und Kakaobutter bieten auch gleich wertvolle Fettsäuren. Sie entstehen in Wärme und Licht und haben eine dem menschlichen Lipidfilm verwandte Zusammensetzung und sind somit regelrechtes Futter für die Haut.
Viele Amino- und ungesättigte Fettsäuren finden sich in unterschiedlichen Mengen etwa in den Samen von Weizen, Lein, Nachtkerzen, Sonnenblumen, dem Sanddorn und Olive. Außerdem die Vitamine A, C und E sowie die Vitamine der B-Reihe und Biotin, die ebenfalls von der Haut aufgenommen und in ihr verstoffwechselt werden können. Tierische Fette von noch lebenden Geschöpfen wie Bienen oder aus der Wolle des Schafes gewonnenes Wollwach werden speziell als Feuchtigkeits- oder Kälteschutz in Pflegeprodukte eingearbeitet, etwa in wohlschmeckenden Lippen-Balsam.
Gerührt, nicht geschüttelt: Emulgatoren
Damit Fett und Wasser eine anhaltende Verbindung eingehen können, bedarf es eines Emulgators, sonst ist es wie bei einem selbst-gemachten Salatdressing: Das Öl schwimmt oben. In der INCI-Bezeichnung findet man oft die Emulgatoren Hydrogenated Lecithin, Cetearyl Glucoside und Glyceryl Stearate (Citrate). Lecithin findet man in vielen Pflanzen sowie in der Wolle von Schafen. Aus ökologischen Gründen wird auf Zubereitungen aus Palmöl (Hydrogenated Palm Glycerides) immer mehr verzichtet. Bei Naturkosmetik werden auch Bienenwachs und Lanolin verwendet, die gleichzeitig als Wirkstoff aktiv sind. In der konventionellen Schönheitsindustrie hingegen arbeitet man meist mit synthetischen Emulgatoren, die eine hohe Bindekraft haben: PEGs (Polyethylen Glykol). Das sind chemische Molekülverbindungen aus dem extrem giftigen Erdölderivat Ethylenoxid, das als krebserregend und erbgutschädigend gilt. Zudem greifen sie die Hautmembran an und Farb-, Duft- oder Konservierungsstoffe dringen in die Blutbahn ein. Als Immunreaktion des Körpers kann es zu Hautirritationen, Kopfschmerzen und Übelkeit kommen.
Tipp: Wer auf synthetische Emulgatoren verzichten möchte, sollte in der Deklaration auf die Vorsilbe PEG oder die Endung eth (ethoxilierte Substanzen) achten.
Magic Mumie: Konservierungsmittel
Für die Produktion auf Vorrat setzt die Industrie auf antimikrobielle Parabene, die im Körper die Wirkung von Östrogen nachahmen und so die Fortpflanzung beeinträchtigen können. Zudem stehen sie in Verdacht, das Brustkrebs-Risiko zu erhöhen, weshalb inhaltliche Höchstgrenzen von 0,4 %-0,14 % eingehalten werden müssen. Weil viele Hersteller aber mehrere Parabene zusammenbringen, um die Konservierung zu verstärken, dürfen Produkte nicht mehr als 0,8 % Parabene insgesamt enthalten.
Auf der INCI-Liste erscheinen sie als Methyl-, Ethyl-, Propyl- oder Butylparaben.
Naturkosmetik-Hersteller arbeiten lieber mit speziellen Pump-Spendern , die verhindern, dass Keime in das Produkt eindringen können. Weitere (und teurere) Alternativen dafür sind Blauglas, Vitamin-E, Bio-Alkohol und ätherische Öle.
Tipp: Je kleiner die Öffnung eines Produktes, desto geringer die Oberfläche, die von Keimen befallen werden kann. Das Produkt sollte man regelmäßig und bei größeren Öffnungen mit einem kleinen Spatel benutzen, der nach Gebrauch zu reinigen ist.
Persönliche Note: Duftstoffe
Zu einem erfolgreichen Produkt-Branding gehört ein typischer Duft, für den aus Kostengründen meist isolierte synthetische oder halbsynthetische Duftstoffe zum Einsatz kommen. Natürliche Varianten, in erster Linie ätherische Öle, stehen in Verruf, dass sie Allergien auslösen. In der Folge sei Naturkosmetik generell nicht gut. Das ist aber Quatsch, denn: Jeder Stoff kann Allergien auslösen. Es kommt auf die korrekte Handhabung und die individuelle Verträglichkeit an. Eine Studie der Thieme Group aus dem Jahr 2022 bestätigt zwar, dass Kontaktallergien bei ätherischen Ölen prinzipiell zu erwarten sind. Bei der überwiegenden Mehrheit liegt die Häufigkeit ihres Auftretens jedoch unterhalb der „Standardallergene“ wie Nickel, Konservierungsstoffen, wichtigen Duftstoffen oder Gummi.
Rosa Brille: Farbstoffe
Bunte Cremes und Shampoos sind selten natürlich und meist mit synthetischen Farbstoffen angereichert. Die Ausnahmen bilden Pflanzen- oder Frucht-Extrakte wie natürliches Carotin aus Sanddorn und Möhren oder Betanin aus der roten Bete.
Perfekter Halt: Stabilisatoren
Geschmeidige Lotionen und schäumende Duschgels geben ein kurzfristiges Gefühl von luxuriöser Sauberkeit. Doch Temperaturschwankungen bei Transport und Lagerung können auf die Produkte negativ einwirken, weshalb man zu Konsistenzgebern und Stabilisatoren greift! Viele dieser Stoffe sind sowohl Wirk- als auch Hilfsstoffe. So hält die Harnsäure zwar feucht, gleichzeitig bewirkt sie aber, dass andere Stoffe leichter die Haut penetrieren, also in sie eindringen können. Auch Stoffe, die wir nicht in den tieferen Hautschichten haben möchten, wie z.B. die erwähnten Parabene, PEGs und Duftstoffe.
So viel zu den Grundlagen eines Pflegeprodukts. Teil 3 der Serie widmet sich den Wirkstoffen in der Kosmetik – und der Frage, was sie realistisch leisten können.
Eine grundlegende Einordnung zur Haut als Organ bietet der erste Teil dieser Serie.
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