QPR: Queer-platonische Beziehungen jenseits von Freundschaft und Liebe
Wir alle kennen Freund*innenschaften. Wir alle kennen Liebesbeziehungen. Aber dazwischen? Da gibt es etwas, das viele noch nicht auf dem Schirm haben: QPRs – queer-platonic relationships. Eine Beziehungsform, die alte Liebesskripte sprengt und dich vielleicht mehr betrifft, als du denkst.
Was ist eine QPR?
QPR steht für queer-platonic relationship. Der Begriff stammt ursprünglich aus der asexuellen Community und beschreibt eine Verbindung, die sehr intim, verbindlich und liebevoll sein kann – ohne sexuell zu sein. Etwas zwischen einer tiefen Freund*innenschaft und einer romantischen Partner*innenschaft.
Der Unterschied zur „klassischen“ Freund*innenschaft liegt in der bewussten Entscheidung, diese Verbindung mit Nähe, Verbindlichkeit und gegenseitiger Verantwortung zu gestalten – ohne dass Sexualität im Mittelpunkt steht.
Gerade in queeren Communities wird Intimität oft über Sex definiert: Grindr, Hookups, offene Beziehungen. Das kann befreiend sein – aber es setzt auch einen engen Rahmen. QPRs öffnen eine neue Tür: für Nähe, Intimität und Commitment, die nicht zwangsläufig romantisch oder sexuell sein müssen.
QPR in a nutshell
- QPR = queer-platonic relationship
- Verbindung, die intim & verbindlich ist – aber nicht sexuell
- Entstanden aus der asexuellen Community
- Mischung aus Freund*innenschaft + Partner*innenschaft, ohne klare Schublade
Liebe jenseits der alten Skripte
In weißen, westlichen heteronormativen Gesellschaften dominiert ein Drehbuch: Romantische Liebe führt zu Ehe, Familie, Hauskauf. Auch in queeren Spaces spukt dieser Traum noch herum. Dieses Modell stabilisiert jedoch nicht nur konservative Vorstellungen, sondern auch kapitalistische Strukturen, die auf der Kleinfamilie als Konsumeinheit beruhen.
QPRs stellen dieses System infrage. Sie schaffen Räume, in denen Care-Arbeit, Liebe und Intimität neu verteilt werden können – jenseits von Hierarchien zwischen Freundschaft und Partnerschaft. Vielleicht ist dein engster Freund längst dein „Lebenspartner“ – nur eben ohne Sex.
Wie könnte das aussehen?
- gemeinsames Wohnen oder sogar Wohnungskauf
- Finanzen teilen (ja, auch Netflix-Accounts)
- gegenseitig Notfallkontakte sein
- Co-Parenting
- Zukunftspläne schmieden
In einer Gesellschaft, die Romantik fast immer mit Sex verknüpft, ist es ein radikaler Akt, mit einer Freund*in ein „Date“ zu haben – ohne Hintergedanken.
Warum „Dates“ mit Freund*innen revolutionär sind
- Sie verteilen Fürsorge auf mehrere Menschen, statt alles auf einen Partner*in zu projizieren.
- Sie brechen die Hierarchie, die romantische Liebe über Freund*innenschaft stellt.
- Sie zeigen, dass Zuneigung viele Gesichter hat – nicht nur sexuell oder romantisch.
- Sie stärken gewählte Familien, die für queere Menschen oft überlebenswichtig sind.
Vielleicht ist es also Zeit, dein nächstes Date nicht mit einem Lover*, sondern mit dem/der besten Freund*in zu machen.
Vielfalt statt Schubladen
Wichtig zu wissen: QPRs sind so vielfältig wie die Menschen, die sie leben. Manche wirken von außen „romantisch“, andere eher wie enge Freund*innenschaften – genau das macht ihre queere Schönheit aus.
Am Ende erinnern uns queer-platonic relationships daran, dass Liebe größer ist als Labels. Sie ist wandelbar, solidarisch und radikal. Ob als QPR oder bewusstes Friend-Date – sie eröffnen Räume, in denen Care, Intimität und Commitment neu gedacht, gefühlt und gelebt werden können.
Bildnachweis: @Chichi Onyekanne auf Unsplash

