Keep Smiling: Befreit vom Keim

Panorama-Röntgenaufnahme eines Gebisses mit Zähnen, Zahnwurzeln und Kieferknochen zur Darstellung von Mundgesundheit

Für unsere Sprache, unser Wohlbefinden und die Nahrungsaufnahme ist Mundgesundheit eine wichtige Voraussetzung. Ein gesundes Gebiss ist nicht nur entscheidend für ein schönes Lächeln und soziale Kontakte, sondern für die Gesundheit des gesamten Körpers.

Ein unterschätztes System

Unser Mund verbirgt neben den Zähnen ein fein abgestimmtes System aus Drüsen, Muskeln, Nerven und Milliarden von Bakterien, die im Zusammenspiel dafür sorgen, dass unsere Nahrung zur Verdauung vorbereitet und der Stoffwechsel unterstützt wird. Bereits hier werden Säuren neutralisiert, Krankheitserreger abgewehrt und wichtige Prozesse im Körper reguliert.

Gleichzeitig sind die Bedingungen im Mundraum ideal für schädliche Mikroorganismen: konstante Feuchtigkeit, gleichmäßige Wärme und regelmäßige Nährstoffzufuhr. Bakterien, Pilze und Viren können sich hier leicht vermehren, in Nischen und Zahntaschen ansiedeln und eine Vielzahl von Erkrankungen auslösen.

Über den Blutkreislauf gelangen sie in andere Organe und können das Risiko für Schlaganfälle erhöhen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herzklappenentzündungen begünstigen. Auch die Wechselwirkungen zwischen Parodontitis und Erkrankungen wie Rheuma oder Diabetes sind inzwischen gut belegt.

Sogar Karies kann von einer schwangeren Frau auf ihr ungeborenes Kind übertragen werden. Eine konsequente Mundhygiene kann zudem das Risiko für Mundhöhlenkrebs senken – etwa 90 von 100 Betroffenen weisen gleichzeitig Zahnerkrankungen wie Karies auf.

Unser moderner Lebensstil als Risikofaktor

Wir essen Burger und Weißbrot und trinken Smoothies, anstatt Fleisch, Vollkornprodukte, Obst und Gemüse zu zerbeißen und lange zu kauen.

Was zunächst wie eine Frage der Bequemlichkeit wirkt, hat direkte Auswirkungen auf unsere Mundgesundheit: Durch intensives Kauen werden Durchblutung und Speichelfluss angeregt – zwei zentrale Schutzmechanismen des Körpers.

Ein zu geringer Speichelfluss erhöht das Risiko für Karies, da Speichel Säuren neutralisiert und den Zahnschmelz mit Mineralstoffen versorgt. Gleichzeitig führt eine zucker- und kohlenhydratreiche Ernährung dazu, dass schädliche Bakterien im Mund regelrecht „gefüttert“ werden. Diese wandeln Zucker in Säuren um, die den Zahnschmelz angreifen. Karies entsteht – zunächst sichtbar als helle Flecken auf der Zahnoberfläche, die sich im Laufe der Zeit verfärben können. Dringt die Erkrankung weiter vor, entstehen dunkle Stellen, Entzündungen der Zahnwurzel und Schmerzen bei Hitze, Kälte oder süßen Speisen.

Lässt der Schmerz plötzlich nach, ist dies kein gutes Zeichen: Häufig ist dann der Zahnnerv bereits dauerhaft geschädigt.

Risikofaktoren und besondere Belastungen

Rauchen verschlechtert die Durchblutung des Zahnfleisches und begünstigt dessen Rückgang – ein zentraler Faktor bei der Entstehung von Parodontitis.

Auch der individuelle Säuregrad des Speichels spielt eine Rolle: Je niedriger der pH-Wert, desto anfälliger sind die Zähne für Säureangriffe. Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Mundhygiene bei Menschen mit schweren Erkrankungen. Entzündungen im Mundraum können die Nahrungsaufnahme zusätzlich erschweren und sich negativ auf die Verdauung auswirken.

Bei Patientinnen und Patienten, die über Sonden ernährt werden, fehlt die natürliche Anregung der Mundflora durch Nahrung. Die Folge sind trockene Schleimhäute, erhöhte Entzündungsanfälligkeit sowie ein erhöhtes Risiko für Aphten und Pilzinfektionen. Ein einfacher, aber wirkungsvoller Tipp aus der ganzheitlichen Praxis: Eine kräftige Brühe als Eiswürfel einfrieren und daran lutschen lassen – das regt die Mundtätigkeit an und befeuchtet die Schleimhäute.

Krebstherapie und Mundgesundheit

Vor einer Chemo- oder Strahlentherapie wird ein Zahnarztbesuch dringend empfohlen. Denn die Behandlungen können Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Entzündungen oder Geschmacksverlust verursachen.

Insbesondere die Speicheldrüsen können durch Bestrahlung geschädigt werden. Je gesünder Zähne und Zahnfleisch vor Beginn der Therapie sind, desto besser lassen sich diese Nebenwirkungen abmildern. Kommt es infolge der Therapie zu Übelkeit und Erbrechen, sollte der Mund anschließend gründlich ausgespült werden, da Magensäure Zähne und Zahnfleisch angreift. Einige Medikamente zur Behandlung von Knochenmetastasen können zudem die Stabilität des Kieferknochens beeinträchtigen.

Mund- und Rachenkrebs

In Deutschland erkranken jährlich etwa 10.000 Menschen an bösartigen Tumoren im Mund- und Rachenbereich. Zu den häufigsten Formen gehört das Mundhöhlenkarzinom – drei von vier Betroffenen sind Männer.

Typische Anzeichen sind weiße Veränderungen an Zunge oder Mundboden, nicht heilende Wunden oder Wucherungen. Halten solche Symptome länger als zwei Wochen an, sollte unbedingt ärztlicher Rat eingeholt werden.

Rachenkrebs äußert sich häufig durch Schluckbeschwerden, anhaltende Heiserkeit kann ein Hinweis auf Kehlkopfkrebs sein. Da sich Krebszellen im Mundraum besonders schnell teilen, können sie rasch in umliegendes Gewebe eindringen und Metastasen bilden.

Sex and Drugs and Rock’n’Roll

Rauchen und hoher Alkoholkonsum zählen zu den größten Risikofaktoren für Krebs im Kopf-Hals-Bereich. Vier von fünf Betroffenen mit Mundhöhlenkrebs sind Raucher.

Darüber hinaus spielt das Humane Papillomvirus (HPV), insbesondere der Subtyp 16, eine zunehmend wichtige Rolle. Es kann nicht nur im Genitalbereich, sondern auch in der Mundhöhle und anderen Schleimhäuten vorkommen. Eine Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt mit infizierten Haut- oder Schleimhautbereichen – Oralsex gilt dabei als zentraler Übertragungsweg.

Männer infizieren sich häufiger, scheiden das Virus aber oft schneller wieder aus – wodurch auch wiederholte Infektionen möglich sind. Ein erhöhtes Risiko besteht insbesondere bei häufig wechselnden Partnern. Ein prominentes Beispiel ist der Schauspieler Michael Douglas, der öffentlich erklärte, seine Krebserkrankung stehe im Zusammenhang mit einer HPV-Infektion durch Oralsex.

Auch berufliche Belastungen, etwa durch den Kontakt mit chrom- oder nickelhaltigen Stoffen oder Asbest, können das Risiko erhöhen.

Mundgeruch und Mundflora

Mundgeruch ist nicht ansteckend – aber für das Gegenüber oft unangenehm. Er entsteht meist auf der Zunge, wo Bakterien organische Substanzen zersetzen und dabei flüchtige Schwefelverbindungen freisetzen.

Zungenschaber können helfen, diese Beläge schonend zu entfernen und sollten fester Bestandteil der täglichen Mundhygiene sein.

Die Mundhöhle gehört bereits zum Inneren unseres Körpers – was erklärt, warum wir unsere Zahnbürste ungern teilen und warum es so ungewohnt ist, jemand anderem die Zähne zu putzen oder die eigenen putzen zu lassen.

Inhaltsstoffe und Zahnpflege

Über die Mundschleimhaut können innerhalb kürzester Zeit sowohl nützliche als auch schädliche Stoffe aufgenommen werden.

Künstliche Farb- und Aromastoffe, Tenside, Emulgatoren und Konservierungsmittel können die Schleimhäute reizen oder austrocknen und stehen im Verdacht, Allergien zu fördern. Viele Naturkosmetik-Hersteller verzichten bewusst auf diese Zusätze. Produkte von Marken wie Weleda, Dr. Hauschka, Lavera oder Logona setzen stattdessen auf verträglichere Inhaltsstoffe.

Ein persönlicher Tipp: Sole-Zahncreme, die auf die trockene Zahnbürste aufgetragen wird, kann durch enthaltene Salzkristalle die Speichelbildung anregen, das Zahnfleisch stärken und Karies vorbeugen. Der Geschmack ist zunächst ungewohnt, vermittelt aber ein besonders klares und frisches Mundgefühl.

Die tägliche Routine

  • Eine konsequente Mundpflege ist der wichtigste Schutz für Zähne und Zahnfleisch:
  • Zähne sollten möglichst dreimal täglich mit einer Zahnbürste mit kleinem Bürstenkopf gereinigt werden. Die Bürste sollte regelmäßig gewechselt werden, spätestens wenn sich die Borsten verbiegen.
  • Die Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürsten sollte einmal täglich erfolgen.
  • Zungenschaber können idealerweise morgens angewendet werden.
  • Ölziehen mit Sesam-, Lein- oder Kokosöl kann die Mundflora unterstützen: Ein Esslöffel Öl wird etwa zehn Minuten im Mund bewegt und anschließend ausgespuckt.
  • Spülungen mit verdünntem Zitronensaft können die Speicheldrüsen anregen, während Calendula-Essenzen oder Salbeitee entzündungshemmend wirken.
  • Regelmäßige Kontrolluntersuchungen und professionelle Zahnreinigungen beim Zahnarzt – mindestens einmal im Jahr – runden die Vorsorge ab.

Bildnachweis: @Umanoide auf Unsplash

  • Die Texte dieser Serie entstanden in Zusammenarbeit mit den Witzleben Apotheken (Berlin) und basieren auf langjähriger Beratungserfahrung.
    Michaela Medrow
    Pharmareferentin und Kosmetikerin

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