Keuchhusten ist zurück: warum auch Erwachsene gefährdet sind

Mann mit buntem Tuch vor Mund und Nase im Freien – Symbolbild zum Thema Keuchhusten bei Erwachsenen

Keuchhusten gilt vielen als Kinderkrankheit. Doch die hochansteckende Infektion kann Menschen jeden Alters treffen und über Wochen oder sogar Monate belasten. Warum die Erkrankung häufig erst spät erkannt wird und wie man sich schützen kann.

Keuchhusten, medizinisch Pertussis genannt, ist eine weltweit verbreitete, hochansteckende Atemwegserkrankung. Obwohl wirksame Impfstoffe zur Verfügung stehen, kommt es regelmäßig zu größeren Ausbrüchen. Besonders deutlich zeigte sich das im Jahr 2024: Während 2023 in der Europäischen Union und im Europäischen Wirtschaftsraum rund 26.000 Fälle gemeldet wurden, stieg die Zahl 2024 auf knapp 210.000 Erkrankungen. Auch Österreich war von dieser außergewöhnlich starken Infektionswelle betroffen.

Das Problem: Keuchhusten wird häufig unterschätzt. Gerade bei Erwachsenen fehlen mitunter die typischen Symptome, sodass die Erkrankung zunächst für eine gewöhnliche Erkältung oder Bronchitis gehalten wird. Dabei können Betroffene die Bakterien unbemerkt weitergeben – mit besonders gefährlichen Folgen für Neugeborene und Säuglinge.

Symptome und Krankheitsverlauf

Ausgelöst wird Keuchhusten durch das Bakterium Bordetella pertussis, das vor allem durch Tröpfchen beim Husten, Niesen oder Sprechen übertragen wird. Nach der Ansteckung vergehen meist sieben bis zehn Tage, manchmal auch länger, bis sich erste Beschwerden zeigen. Der Krankheitsverlauf gliedert sich typischerweise in drei Phasen und kann sich über mehrere Monate erstrecken.

Im ersten Stadium, das etwa ein bis zwei Wochen dauert, treten zunächst unspezifische Erkältungssymptome auf: leichter Husten, Schnupfen und allgemeines Unwohlsein. Gerade in dieser Phase ist die Ansteckungsgefahr besonders hoch, obwohl Keuchhusten häufig noch gar nicht vermutet wird.

Anschließend beginnt das zweite Stadium mit den charakteristischen Hustenanfällen. Mehrere heftige Hustenstöße folgen rasch aufeinander, weshalb auch von „Stakkato-Husten“ gesprochen wird. Beim anschließenden Einatmen kann ein auffälliges, ziehendes Geräusch entstehen. Häufig kommt es zum Hervorwürgen von zähem Schleim oder sogar zu Erbrechen. Besonders belastend sind die unkontrollierbaren Hustenattacken, die tagsüber und nachts auftreten und den Schlaf erheblich beeinträchtigen können.

In der dritten Phase lassen die Hustenanfälle allmählich nach. Bis zur vollständigen Erholung können jedoch weitere sechs bis zehn Wochen vergehen. Nicht umsonst wird Keuchhusten gelegentlich auch als „Hundert-Tage-Husten“ bezeichnet. Bei Jugendlichen und Erwachsenen verläuft die Infektion häufig weniger typisch, sodass auch ein lang anhaltender, hartnäckiger Husten ohne charakteristisches Atemgeräusch auf Pertussis hinweisen kann.

Wie erkennt man Keuchhusten?

Bei länger anhaltendem Husten sind Hausärzt meist die erste Anlaufstelle. Die Diagnose ist allerdings nicht immer einfach. Besonders zu Beginn kann Keuchhusten einer

Ein wichtiger Hinweis sind wiederkehrende, anfallsartige Hustenattacken, insbesondere nachts. Im ärztlichen Gespräch sollte deshalb unbedingt erwähnt werden, wenn im persönlichen Umfeld länger andauernde Hustenerkrankungen oder bereits bestätigte Keuchhustenfälle aufgetreten sind.

Zur Sicherung der Diagnose wird in den ersten Krankheitswochen üblicherweise ein tiefer Nasen-Rachen-Abstrich entnommen und mittels PCR-Verfahren auf den Erreger untersucht. Diese Untersuchung ist auch bei geimpften Personen sinnvoll, da eine Impfung keinen lebenslangen Schutz bietet. Bei länger bestehendem Husten können ergänzend Antikörperuntersuchungen im Blut infrage kommen. Für die frühzeitige Diagnose sind diese jedoch weniger geeignet.

Warum die Impfung so wichtig ist

Weder eine durchgemachte Erkrankung noch die Grundimmunisierung im Kindesalter schützen lebenslang vor Keuchhusten. Der Immunschutz lässt im Laufe der Jahre nach, weshalb regelmäßige Auffrischungsimpfungen notwendig sind.

Nach dem österreichischen Impfplan 2026/2027 werden Erwachsenen nach abgeschlossener Grundimmunisierung und den empfohlenen Auffrischungsimpfungen im Kindes- und Jugendalter weitere Impfungen bis zum 60. Lebensjahr alle zehn Jahre empfohlen. Ab dem 60. Lebensjahr sollte die Auffrischung alle fünf Jahre erfolgen.

Die Impfung wird als Kombinationsimpfstoff verabreicht, der gleichzeitig gegen Diphtherie und Tetanus schützt. Je nach Impfstatus und medizinischer Indikation kann auch eine zusätzliche Komponente gegen Kinderlähmung (Poliomyelitis) enthalten sein. Einen Einzelimpfstoff ausschließlich gegen Keuchhusten gibt es nicht.

Besondere Bedeutung hat der Impfschutz für Menschen, die engen Kontakt zu Säuglingen haben. Denn gerade Neugeborene und junge Babys sind durch schwere Krankheitsverläufe gefährdet. Auch während jeder Schwangerschaft wird eine Keuchhustenimpfung empfohlen, vorzugsweise zwischen der 27. und 36. Schwangerschaftswoche. Die dabei gebildeten mütterlichen Antikörper können das Kind in den ersten Lebenswochen schützen.

Gibt es eine Behandlung gegen Keuchhusten?

Keuchhusten kann mit Antibiotika behandelt werden. Entscheidend ist dabei der richtige Zeitpunkt: Wird die Therapie früh begonnen, idealerweise innerhalb der ersten ein bis zwei Krankheitswochen, kann sie den Verlauf günstig beeinflussen. Bei bereits länger bestehenden Hustenanfällen lässt sich deren Dauer durch Antibiotika häufig nicht mehr wesentlich verkürzen.

Dennoch ist die Behandlung wichtig, weil sie die Ansteckungsfähigkeit deutlich reduziert. Ohne Antibiotikatherapie können Erkrankte über mehrere Wochen infektiös bleiben. Nach Beginn einer wirksamen Behandlung gilt die Ansteckungsfähigkeit in der Regel nach fünf Tagen als deutlich reduziert beziehungsweise beendet.

Besonders gefährlich ist Keuchhusten für Neugeborene und Säuglinge. Bei ihnen können statt der klassischen Hustenattacken Atempausen auftreten, die lebensbedrohlich werden können. In schweren Fällen sind stationäre Behandlungen erforderlich.

Auch für enge Kontaktpersonen kann eine vorsorgliche Antibiotikatherapie sinnvoll sein, insbesondere wenn ungeimpfte oder noch nicht ausreichend geschützte Säuglinge, Schwangere oder andere besonders gefährdete Menschen betroffen sind. Ob eine solche Behandlung notwendig ist, sollte ärztlich beziehungsweise mit der zuständigen Gesundheitsbehörde abgeklärt werden.

Wichtig zu wissen: Keuchhusten ist in Österreich meldepflichtig. Erkrankte sollten engen Kontakt zu anderen Menschen, insbesondere zu Säuglingen, während der ansteckenden Phase vermeiden. Die Rückkehr in Gemeinschaftseinrichtungen ist in der Regel frühestens fünf Tage nach Beginn einer wirksamen Antibiotikatherapie möglich. Ohne entsprechende Behandlung gilt üblicherweise eine Frist von 21 Tagen nach Hustenbeginn. Maßgeblich sind die konkreten Vorgaben der zuständigen Gesundheitsbehörde.

Vorsorge beginnt mit einem Blick in den Impfpass

Keuchhusten ist keine harmlose Erkältung und auch keine Erkrankung, die ausschließlich Kinder betrifft. Vor allem die lange Krankheitsdauer und die möglichen Folgen für besonders gefährdete Menschen machen einen ausreichenden Impfschutz wichtig.

Die Empfehlung von Dr. Christian Zagler: Überprüfen Sie regelmäßig Ihren Impfstatus. Ist die letzte Auffrischungsimpfung bereits länger her oder bestehen Unsicherheiten, lassen Sie sich bei Ihrer Hausärztin, Ihrem Hausarzt oder einer öffentlichen Impfstelle beraten.


Autor: Dr. Christian Zagler ist als Facharzt für Lungenkrankheiten in Wien tätig.

Weiterführende Quellen

Dieser ursprünglich in CHECK AT#3 erschienene Beitrag wurde für die Onlineveröffentlichung im Oktober 2026 redaktionell aktualisiert.

Bildnachweis: @Joel Muniz auf Unsplash

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